Retro Game Boy

GBA SP und ein NES-Controller im VergleichWie wohl bekannt sein dürfte, bin ich ein Freund völlig veralteter Spiele-Konsolen. Desweiteren hat mich der Game Boy vom ersten Tag an in seinen Bann gezogen. So ist es nur der nächste logische Schritt bzw. eine unvermeidbare Tatsache, dass ich mir irgendwann einen Game Boy Advance SP in der Classic NES Edition würde kaufen müssen.

Das ist kürzlich passiert. Die Classic NES Edition gibt es zwar schon lange nicht mehr im Handel, aber ich bin neulich über mehrere entsprechende eBay-Auktionen gestolpert und nun verfüge ich also über einen GBA SP im NES-Look. Ganz nebenbei habe ich dadurch auch noch meine Game Boy-Sammlung vervollständigt: vom ersten 89er Game Boy bis zum Game Boy micro besitze ich jetzt ein Gerät jeder Generation, quasi einen Game Boy für jede Lebenslage. Krank, ich weiß. Aber so kann ich immerhin jederzeit jemanden zu Game Boy-Matches über Link-Kabel einladen. Theoretisch zumindest. Wenn denn mal jemand dazu Lust hätte…

Auf der Abbildung kann man sehr schön erkennen, dass dieser GBA SP dem NES-Controller nachempfunden wurde. Das gibt auf jeden Fall Pluspunkte für Retro-Design. Passend zu diesem Gerät hat Nintendo 2004 die „NES Classics“-Reihe für Game Boy Advance veröffentlicht: unveränderte und teils längst vergessene NES-Spiele, die nur an die veränderten Bildschirm-Proportionen angepasst wurden. Aus dieser Reihe besitze ich „Super Mario Bros.“ und „The Legend of Zelda„, die man natürlich erst auf dem GBA SP Classic NES Edition stilecht zocken kann. Außerdem ein sehr großer Pluspunkt: der GBA SP ist der letzte voll abwärtskompatible Game Boy, der aber schon Hintergrundbeleuchtung mitbringt. So kann man sich auch eine entspannte Runde Super Mario Land geben, man muss sich nicht mehr unter einer Halogen-Lampe verrenken, damit man überhaupt was erkennt. Stichwort Hintergrundbeleuchtung: es ist zwar schön, dass der GBA SP endlich eine hat, aber technisch gesehen (und verglichen mit der des Nintendo DS lite und des Game Boy micro) ist sie ein Witz. Sie ist ziemlich dunkel, verfälscht die Farben leicht (was wahrscheinlich der Grund für den Beleuchtungs-Ein/Aus-Schalter ist) und wenn man von so weit schräg oben wie möglich in das Display hineinschaut, wird man von der Beleuchtung, die ganz stark am unteren Bildschirmrand ins Display hineinleuchtet, fast geblendet. Sehr eigenartig. Aber in allen späteren Geräten hat Nintendo das Display inkl. Beleuchtung ja immer weiter verbessert. Sehr großer Minuspunkt: es gibt keinen Kopfhöreranschluss. Wenn man Kopfhörer anschließen will, muss man sich einen Adapter für den EXT.2-Anschluss kaufen. Das wäre bestimmt nicht nötig gewesen.

Fazit: geiles Gerät, wenn auch mit Macken. Wenn ihr einen GBA wollt und noch alte GB– oder GBC-Spiele habt oder wenn ihr Multiplayer-Modi nutzen wollt, holt euch diesen GBA SP hier, der meiner Meinung nach mehr hermacht als ein SP in Mario-rot, Zelda-gold oder allen anderen Farben. Ansonsten seid ihr aber mit einem Game Boy micro oder gleich einem Nintendo DS besser beraten.

Sword of Mana

Sword of ManaDieses Game Boy Advance-Spiel ist von 2004, also noch nicht besonders alt. Ich werde es dennoch hier vorstellen, weil es erstens ein Remake des Game Boy-Klassikers Mystic Quest von Squaresoft (heute Square Enix) ist und ich es zweitens gerade erst durchgespielt habe. Here we go.

Möchte man dieses Spiel einordnen, muss man sich mit der Final Fantasy/Mana-Storyline herumschlagen. Wie gesagt ist es ein Remake von Mystic Quest, das in den USA den Titel „Final Fantasy Adventure“ hatte und in Japan „Seiken Densetsu“ hieß. Damit hört die Verwandschaft zu Final Fantasy aber auch schon auf. Der SNES-Titel „Seiken Densetsu 2“ ist bei uns als kein geringerer als „Secret of Mana“ bekannt, was, wenn wir die logischen Schlüsse ziehen, „Sword of Mana“ zum chronologischen Vorgänger von Secret of Mana macht. Alles klar?

Kommen wir zum Spiel. Wer Mystic Quest kennt, wird viele Ähnlichkeiten wiederfinden. Da wären z.B. die Waffen: neben dem Schwert, der Peitsche, der Axt, der Lanze usw. gibt es auch hier die Sichel, mit der man Gras schneiden kann und die als Waffe sonst eigentlich nicht zu gebrauchen ist. Dann wären da viele Orte wie Toppel, Wendel und das Luftschiff, die man in Mystic Quest gesehen hat. Und einige Charaktere wie Willy (der diesmal aber nicht direkt zu Beginn entschläft), Amanda und Bogard. Sogar einige der Musikstücke sind zeitgemäß aufgepeppt und dann übernommen worden. Was absolut neu ist, ist die Grafik. Die kommt im besten 16bit-SNES-RPG-Stil daher. Möglicherweise wurde hier die Secret of Mana-Engine wiederverwendet, denn auch die bekannten Ringmenüs tauchen auf.

Zu Beginn muss man sich entscheiden, ob man in die Rolle des jungen Kriegers oder in die des Mädchens aus dem Mana-Volk schlüpfen will. Von dieser Wahl hängt es ab, wie die Handlung verläuft, denn die beiden trennen sich gelegentlich, um mit einem Verbündeten an anderer Stelle weiterzumachen. Das ist durchaus ein Punkt, der zum zweiten Durchspielen anregt. Problematisch sind allerdings die ausufernden Dialoge der Helden mit den NPCs. Wenn die einmal angefangen haben, sind sie kaum noch zu bremsen. Es machte mir wirklich Schwierigkeiten, der Story zu folgen, eben weil so dermaßen viel geredet wurde. Auch das eigentliche Spielziel scheint mir dadurch etwas diffus: soll man jetzt den Schattenherrscher besiegen oder doch eher Julius? Ist dazu das Mana-Schwert notwendig oder ist diese legendäre Waffe dann doch eher nebensächlich? Muss das Mädchen beschützt werden oder kann sie doch ganz gut auf sich selbst aufpassen? Schwierig, schwierig. Trotz alledem wurschtelt man sich so bis zum Ende durch.

Also alles in allem ist dieses Spiel nicht übel. Es kann einen 20 Stunden bei der Stange halten, weil man doch immer etwas neugierig ist, wie es weitergeht. Die Grafik ist sehr gut geraten und bietet manchmal spektakuläre Effekte wie z.B. einen der Angriffe des finalen Endbosses. Aber irgend etwas fehlt, aus irgend einem Grund will nicht so recht dieselbe Spannung wie bei Secret of Mana aufkommen. Es ist durchaus sein Geld wert, aber man sollte nicht zu viel erwarten.