Meine größten Gurken – Teil 1

Habt ihr sowas auch, ein Spiel in eurer Sammlung, das, ggf. trotz Nostalgie-Bonus, so richtig schlecht ist? Ich habe da so einige, die mir aber größtenteils in meinen frühen Zocker-Jahren untergekommen sind. Denn selbstverständlich ist nicht jedes Spiel genial, nur weil es der guten alten Zeit entstammt. Nein, es gibt eine Menge Gurken. Und meine allergrößte Gurke ist zweifellos das Amiga-Spiel Quantox.

Ich habe es seinerzeit in einem Einkaufszentrum in einem Foto-Fachgeschäft(!), das auch Amiga-Hard- und Software führte, für vermutlich 5 oder 10 DM erworben. Ich glaube, ich besitze es nur, weil ich zu der Zeit mal wieder ein neues Spiel wollte und wohl gerade nichts Besseres aufzutreiben war. Die Box-Art, die weitgehend diesem Titelbildschirm entsprach, sah ja auch in gewisser Weise interessant aus, wenn man sich für SciFi begeistern kann. Also habe ich es mal mitgenommen. Vor dem Spiele-Kauf Testberichte lesen oder anderweitig Infos über ein Spiel einholen? Nie gehört. War ohne Internet aber ja auch gar nicht so leicht, schon gar nicht bei Budget-Titeln.

Da sitzt man also vor seinem Bildschirm, den Joystick in der Hand, betrachtet das Titelbild, denkt sich „Sieht ja schon mal gar nicht so schlecht aus“ und drückt den Feuerknopf, um in ein Spiel versetzt zu werden, das mit dem Titelbild in keinster Weise irgendetwas zu tun hat. Es handelt sich um ein nicht-scrollendes Shoot’em Up. Man sitzt in einem kleinen, runden Schiff, das als Waffe weiße Pixel in eine von acht möglichen Richtungen schießt. Von den Seiten kommen dann nacheinander grüppchenweise Gegner ins Bild geflogen, die man einmal mit einem Schuss treffen und anschließend rammen muss. Gelegentlich kann man Power-Ups aufschnappen, die temporär irgendwelche Fähigkeiten verbessern. Und wenn man nach einigen Levels genug Kohle gesammelt hat, kommt man in einen Shop, der von einem Cyborg betrieben wird, der fast aussieht wie 2-1B. Dort kann man sich dann weitere Upgrades kaufen.

Alles in allem ist dieses Spiel ziemlich unspektakulär und wäre, ohne den C64 schlecht reden zu wollen, sicher auch problemlos auf dieser Hardware möglich gewesen. Hätte ich dafür mehr als 10 DM ausgegeben, hätte ich mich sicher im nachhinein verflucht. Aber da das Spiel inzwischen schon 20 Jahre alt ist, ist der Trash-Faktor auch nicht zu verachten. Außerdem hat es laut Box nur 32 Levels. Vielleicht spiele ich es doch noch mal durch, wenn mir extrem langweilig ist?

Was man am schwarzen Brett so findet…

Meine neue Amiga 500-Ausrüstung Da sitzt man abends nichts-ahnend vor dem Rechner und liest Spieleblogs, als die Freundin plötzlich meint „am Schwarzen Brett von bremen.de verkauft jemand einen Amiga 500„. Das ließ mich natürlich hellhörig werden, vor allem, da die Ausstattung nicht zu verachten war und das Gesamtpaket zum Schnäppchenpreis angeboten wurde.

Kurz gesagt: ich bin jetzt im Besitz eines brandneuen Amigas in ziemlich gutem Zustand, wenn man sein Alter bedenkt. Und es ist alles dabei, was man sich zum Zocken nur wünschen kann: 1 MB RAM, ein Dauerfeuer-Joystick, ein externes 3,5″-Disk-Laufwerk, ein ordentlicher Monitor, eine funktionierende Maus, eine A590-Festplatte mit gigantischen 20 MB Kapazität und drei Diskettenboxen voll mit… äh… Disketten. Jetzt werdet ihr sagen „aber der hat doch schon einen Amiga, was will der mit noch einem?!“. Schon richtig, allerdings funktionierten bei meiner alten Amiga-Hardware einige Teile schon nicht mehr, z.B. die linke Maustaste, die Festplatte oder die Batterie der batteriegepufferten Uhr. So hatte ich jetzt also die Gelegenheit, die jeweils besseren Teile beider Ausrüstungen zusammenzufügen. Das Ergebnis seht ihr auf dem Foto. Obwohl er keinen Dauerfeuer-Schalter hat, habe ich natürlich zuerst meinen alten Original-Competition Pro angeschlossen sowie die neue Maus, mein altes Disk-Laufwerk und den neuen Monitor. Die Festplatten waren beide unbenutzbar, aber seitdem ich das Gehäuse meiner alten A590 komplett auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt habe, läuft die Platte seltsamerweise wieder.

Dass die Platte wieder läuft, ist ein echter Glücksfall: jetzt kann ich nämlich mein zusammengefrickeltes Datenübertragungskabel (USB auf der PC-Seite, seriell 9polig auf der anderen Seite, gekoppelt mit einem Adapter für seriell 9polig auf 25polig, gekoppelt mit seriell 25polig an dem Adapter und auf der anderen Seite am Amiga) nutzen, um ADF-Images vom PC auf den Amiga und von dort auf Disketten oder, andersrum, von Amiga-Disketten als ADF-Images auf den PC zu kopieren. Auf Amiga-Seite benutze ich dazu ein Terminal-Programm, das in der Lage ist, Binär-Daten zu übertragen; auf PC-Seite das DOS (!)-Terminal-Programm der Wahl „Terminate 5.00“ in einem Shell-Fenster unter Windows Vista (!!) über einen emulierten (!!!) COM-Port. Unglaublich, funktioniert aber trotzdem.

Außerdem habe ich mir noch bei eBay einen A520-TV-Modulator besorgt, mit dem ich den Amiga an unseren Fernseher anschließen kann und dabei nicht auf ein Farbbild verzichten muss. Das Teil ist gestern angekommen und ich habe ihn direkt mal mit Turrican getestet. Das war ein wunderbares Retro-Erlebnis, kann ich euch sagen. Ich habs gespielt und gespielt… und durchgespielt. Im Anschluss habe ich noch alle vier Flipper-Tische von Pinball Dreams bearbeitet, auch das kommt am großen TV-Bildschirm richtig gut.

Und als nächstes kommt Turrican II dran… pass auf, Machine, Bren McGuire ist wieder da…

Das Kind kommt

„Zocken. Muss zocken. Jetzt!“

Das ging mir neulich durch den Kopf. Aber wie kam es dazu? Fangen wir mal ganz von vorne an.

Seit Mitte März hat sich Nachwuchs angekündigt: meine Freundin war schwanger (und nicht nur meine, wie sich herausgestellt hat). Im Laufe der Zeit kam dann immer mehr Arbeit auf mich zu. Die Ankunft so eines Kindes muss ja schließlich gut vorbereitet werden: Möbel für Kinderzimmer finden, kaufen und zusammenbauen, Babyklamotten besorgen, Fläschchen, Windeln, Waschlappen, Kinderwagen und was nicht noch alles. Da bleibt fürs Zocken natürlich wenig bis gar keine Zeit. Gar nicht so einfach, wenn man es gewöhnt ist, sich täglich für eine Weile bei Unterhaltungssoftware-Produkten zu entspannen. Und so kam es dann zu einem Spiele-Heißhunger und oben zitiertem Gedankengang.

Also habe ich mir gedacht: noch drei Wochen bis zum Geburtstermin. Noch drei unverplante Wochenenden, an denen ich einige meiner besten Software-Perlen durchzocken will. Und zwar auf Original-Hardware, auf einer kuscheligen Decke vorm Fernseher, statt im Emulator. Noch mal richtig das alte Super Nintendo-Feeling der frühen 90er einfangen, bevor ich als Vater vielleicht gar keine Zeit mehr zum Zocken haben werde. So sah mein Plan aus:

Soweit der Plan. Hier die Umsetzung:

Wochenende 1

Zelda: Link hat das Triforce errungenVersuche insgesamt: 004. Grumpf.
Zusammen mit Link bin ich durch Hyrule gereist, habe die antiken Bauwerke von Monstern und Dämonen befreit. Agahnim, der alte Sack, hat Zelda dann in die Schattenwelt verbannt, gerade, als ich sie befreien wollte. Also bin ich ihr durch die Schattenwelt nachgejagt. Schlussendlich bin ich dann auf Ganon gestoßen, der gerade Hyrule mit seiner Armee der Untoten und Monster überrennen wollte. Ich habe kurzen Prozess mit ihm gemacht und anschließend das Triforce in meinen (bzw. Links) Händen gehalten. Ich bin der legendäre Held.

Trotzdem scheine ich irgendwie nachzulassen: am Ende des Spiels gibts immer eine kleine Statistik, wieviele Versuche man für welchen Bereich im Spiel gebraucht hat, null ist dabei das bestmögliche. Wenn man also nirgendwo stirbt, sich nicht von einer Fee wiederbeleben lässt und auch das Spiel nicht beendet, ist es möglich, auf insgesamt 0 Versuche zu kommen. Diesmal hats leider nur für 4 Versuche gereicht. Man wird halt älter.

Wochenende 2

Super Metroid: knapp der Explosion von Zebes entkommenThe operation was completed successfully. Clear time: 04:35See you next mission - Your rate for collecting items is 91%
Auf der Suche nach dem aus der Forschungsstation entführten Metroid-Baby bin ich zusammen mit Samus Aran einmal mehr auf Zebes gelandet. Kraid und Ridley waren auch wieder da, aber jetzt bestehen sie nur noch aus Staub. Selbst Mother Brain ist wieder aufgetaucht, diesmal sogar mit vollständigem Körper, der zudem äußerst widerstandsfähig ist, und ziemlich mächtigen Waffen. Geballten Salven konzentrierter Metroid-Energie hat sie dann allerdings auch nichts mehr entgegenzusetzen. Nach ihrem Ableben folgt die Selbstzerstörung der Basis, die diesmal aber gleich den gesamten Planeten mitreißt. Ich kann gerade noch entkommen, und im Glauben, endlich alle Metroid-Organismen vernichtet zu haben, verschwinde ich in den Weiten des Alls.

Auch hier gibt es am Ende zwei Statistiken: die Zeit, die man von Anfang bis Ende gebraucht hat, und die Menge Items, die man gefunden hat als Prozentsatz vom Gesamten. Tja, auch hier war ich schon mal besser, sprich: eine ganze Stunde schneller mit ein paar Prozent mehr Items. Aber was solls. Ich hatte einen Mords-Spaß dabei, auf Zebes Ärsche zu treten.

Wochenende 3

Für das dritte Wochenende war die komplette Turrican-Serie geplant. Klingt erst mal unmöglich, ist aber gut zu schaffen, da man für keinen Teil mehr als ein, zwei Stunden braucht, wenn man den richtigen Weg durch die Labyrinthe kennt. Was bei mir durchaus der Fall ist. Ich habe also mit Turrican angefangen, in Welt 1 und 2 eine Menge Roboter zu Klump geschossen. Ich war gerade so richtig in Fahrt und hatte mich schon auf Welt 3 gefreut… nur leider war der WinUAE hier nicht in der Lage, die nächste Welt zu laden. Keine Ahnung, obs nun an der Emulator-Version lag oder an meinem Disk-Image. Jedenfalls musste ich aufhören und bin bisher auch nicht mehr dazu gekommen, meine Turrican-Odyssee fortzusetzen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Die Zeit danach

Es war schon toll, immerhin zwei meiner persönlichen All-time-classics noch einmal durchgespielt zu haben, in Hyrule und Zebes zu versinken und die Außenwelt für eine Weile zu vergessen. Wie ein kleiner Urlaub von der Realität, richtig erholsam. Aber nun hatte mich die Realität wieder: der berechnete Geburtstermin war da. Nichts. Auch die nächsten Tage: nichts. Dann das nächste Wochenende: erst Vorwehen, dann richtige Wehen. Und dann am Samstag abend, am 09.12.: unsere kleine Tochter kam zur Welt. Das niedlichste Geschöpf, das man sich nur vorstellen kann. Von jetzt an wird nichts mehr so sein, wie es mal war.

Selina - unser Töchterchen